VTTNetz | Innovationsnetzwerk Vernetzte Technikberatung und Techniknutzung
Teilvorhaben im Verbundprojekt TransInno_LSA

Innovativ-altern.de ist die Internetpräsenz des Projektes VTTNetz.

Prof. Dr. Birgit Apfelbaum

Projektleiterin

(03943) 659-435

Thomas Schatz, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt VTTNetz an der Hochschule Harz in Wernigerode. VTTNetz steht für OInnovationsnetzwerk vernetzte Technikberatung und Techniknutzung.

Thomas Schatz M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

(03943) 659-714

Julia Bruns B.A.

Projektmitarbeiterin

(03943) 659-724

Innovationsschub für die Senioren-Technikberatung

Das angewandte Forschungsprojekt VTTNetz widmet sich der Frage, wie Senioren-Technikberatung dazu beitragen kann, die Lücke zwischen technischer Innovationshöhe und sozialer Akzeptanz von Assistenztechnik zu schließen.

Die Generation der heute Älteren hat im Laufe ihres Lebens viele technische Innovationen erfolgreich in die Lebensführung integriert und gelernt, dass man durch Technikeinsatz alltagspraktische Ziele schneller, effizienter und sparsamer erreichen kann. Trotz dieser überwiegend positiven Technikerfahrungen stehen Senior*innen selbstständigkeitsfördernder Assistenztechnik skeptisch gegenüber. Dieses Zögern betrifft ganz besonders digitale Technik, denn in Deutschland klafft weiterhin eine digitale Alterslücke: Mehr als zehn Millionen Bundesbürger jenseits des 70. Lebensjahres haben das Internet noch nie benutzt.

Mehr Beratungs- und Schulungsangebote könnten Anwendungsfrequenz technischer Assistenz steigern und so neue Formen des Alterns befördern.
Vor diesem Hintergrund gewinnen in den Sozialwissenschaften derzeit Fragen Kontur, die die Möglichkeiten des Überwindens der Zurückhaltung gegenüber (digitaler) Assistenztechnik in das Zentrum rücken. Das Forschungsprojekt VTTNetz – Innovationsnetzwerk Vernetzte Technikberatung und Techniknutzung, das seit Januar 2018 unter Leitung von Prof. Dr. Birgit Apfelbaum an der Hochschule Harz arbeitet, will zur Beantwortung dieser Fragen einen Beitrag leisten.

Die Agenda des Vorhabens wird wesentlich vom Konzept der sozialen Innovation inspiriert, die Autoren wie Howaldt, Kopp, Schwarz und Aderhold als beabsichtigte, dauerhafte und strukturell folgenreiche Veränderung sozialer Praktiken und Routinen zur Lösung eines gesellschaftlichen Problems charakterisieren. Eine zentrale Rolle spielen Diffusionsprozesse, durch die sich Innovationen in der Gesellschaft ausbreiten. Bezogen auf das Projekt VTTNetz lautet die Annahme, dass eine wohnortnahe Informations- und Beratungsinfrastruktur in Kombination mit Bildungsangeboten zum digitalen Kompetenzaufbau dabei helfen kann, ältere Menschen im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge für Assistenztechnik zu sensibilisieren. Dies wäre für viele Kommunen eine innovative Strukturbildung.

Soziale Innovation ist die beabsichtigte und strukturell folgenreiche Veränderung sozialer Praktiken und Routinen in bestimmten Handlungsfeldern mit dem Ziel, Probleme und Bedürfnisse wirksamer zu lösen bzw. zu befriedigen, als es mit den etablierten Praktiken möglich ist.

(nach Howaldt, Kopp, Schwarz und Aderhold)

Angewendet auf das Projekt:

Durch Information über und Heranführung an die Möglichkeiten technischer Assistenz kann Senioren-Technikberatung – als innovatives, lebenslagenorientiertes Informations-, Beratungs- und Assistenzangebot der kommunalen Daseinsvorsorge – einen wichtigen Beitrag zur Etablierung neuer Formen der selbstständigen und technikunterstützten Lebensführung im Alter leisten. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Kooperation von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Akteuren.

Um die Strukturbildung in Kommunen und den Transfer technischer Assistenz in die Lebenswelt Älterer zu befördern, nutzt VTTNetz verschiedene Instrumente, die in einem Kompetenzzentrum „Vernetzte (Senioren-)Technikberatung“ zusammengefasst werden: Das Kolleg Technikberatung will sich neben der Aus- und Weiterbildung von Berater*innen und der Weiterbildung spezifischer Multiplikatoren wie Akteuren der Gesundheits- und Wohnungswirtschaft auch dem Coaching von Kommunen widmen, die das lebenslagenorientierte Beratungsangebot für ältere Menschen und pflegende Angehörige um den Technik-Schwerpunkt erweitern wollen. Der Akzent liegt auf der Unterstützung von Netzwerken aus haupt- und ehrenamtlichen Technik-Berater*innen, wie sie in verschiedenen bundesdeutschen Kommunen bereits erfolgreich praktiziert werden.

Berater*innen sollen zudem in einem eigens auf ihre Bedürfnisse ausgerichteten Austausch-Forum miteinander ins Gespräch kommen. Auf Austauschtreffen haben sie die Möglichkeit, sich von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und Praxisbeispiele auszuwerten.Neue Technik können Berater*innen im Reallabor „Technikakzeptanz und Soziale Innovation“ (TAKSI) unter alltagsnahen Bedingungen austesten. In dieser mit einer Fülle an Technik ausgestatteten Wohnung der Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft eG, einem Kooperationspartner von VTTNetz, werden nicht nur Akteure aus der Beratung, sondern auch Ältere angesprochen. Die Zielgruppe der Senior*innen soll über niedrigschwellige Bildungsangebote für Technik sensibilisiert werden. Kommunen werden bei der Entwicklung entsprechender Formate unterstützt. Beide Zielgruppen von VTTNetz – Berater*innen und Senior*innen – können von einem partizipativ entwickelten Geräte-Wiki profitieren, das auf Basis eines Wikis die breite Palette assistenzfördernder Technik aufzeigt.

Die Instrumente des Projektes VTTNetz in der Übersicht:

  • Kolleg Technikberatung

    Coaching von Kommunen beim Aufbau von Angeboten zur Technikberatung sowie Aus- und Weiterbildung von Berater*innen.

  • Austausch-Forum

    Online-Plattform für Berater*innen.

  • Austauschtreffen

    Bundesweites Präsenzformat und virtuelle Meetings zur Vernetzung von Berater*innen.

  • Reallabor TAKSI

    Reallabor für Technikakzeptanz und Soziale Innovation (TAKSI) in einer barrierearmen Musterwohnung.

  • Bildungsangebote

    Aufbau von Kompetenzen und Selbstwirksamkeit im Umgang mit digitaler Technik für Senior*innen.

  • Geräte-Wiki

    Online-Wissensspeicher für Berater*innen und Senior*innen zu Asisstenztechnik.

  • komoserv

    Koordination und Moderation in Servicepartnernetzwerken der ostdeutschen Wohnungswirtschaft (2011-2013)

  • Silver Clips

    Oma Lust auf Technik machen
    Crowdfunding-Projekt
    (2014)

  • SEKOM

    Senioren in der Kommune (2014/2015)

  • LEB

    Lebenslagenorientiertes Entwicklungs- und Bedarfskonzept für die Stadt Wernigerode
    (2014/15)

VTTNetz

  • Projektleitung Prof. Dr. Birgit Apfelbaum
  • Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
  • Laufzeit vom 1.1.2018 bis 31.12.2022
  • Teilvorhaben im Verbundprojekt TransInno_LSA
  • Projektpartner: Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft eG, Seniorenvertretung Wernigerode e.V., Frau und Bildung e.V. (Stand September 2018)

  • Alltagshilfen, Seniorentechnik, Seniorentechnikberatung, VTTNetz, Hochschule Harz, Third Mission, Soziale Innovation, Reallabor Technikakzeptanz, TAKSI, HS Harz, Birgit Apfelbaum, Thomas Schatz, Julia Bruns

    Darum geht's:

    Senioren-Technikberatung kann die Zurückhaltung gegenüber assistenzfördernder Technik für ein emanzipiertes und selbstständiges Leben im hohen Alter abbauen. Das Innovationsnetzwerk VTTNetz soll der Beraterlandschaft in Deutschland den Weg zur sozialen Innovation ebnen.

  • 1. Schritt

    In einem ersten Schritt soll Assistenztechnik strukturell in den bestehenden Beratungsangeboten der Kommunen verankert werden. Dafür werden Beispiele guter Praxis dokumentiert sowie Aus- und Weiterbildungsformate entwickelt.

  • 2. Schritt

    Durch die gezielte Unterstützung neuer Senioren-Technik-Beratungsstellen und die Etablierung eines Beraternetzwerks soll der zweite Schritt auf dem Weg zur sozialen Innovation erreicht werden: Assistenztechnik in der Lebenswelt Älterer zu etablieren.

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Um Defizite, Wünsche und Bedürfnisse von Senioren-Technik-BeraterInnen zu ermitteln, wurden zwischen März und Juli 2018 26 ehrenamtliche und hauptamtliche Technikberatende in 17 Beratungsstellen im gesamten Bundesgebiet befragt.

Die Erkenntnisse aus den Leitfaden-gestützten Experteninterviews sowie aus den Protokollen teilnehmender Beobachtung, die während Vorträgen für Ältere erstellt wurden, bilden die Grundlage für das weitere Vorgehen im Projekt.

Ziel ist es, die Ist-Situation der ehrenamtlichen und hauptamtlichen BeraterInnen zu erfassen, um die Bedarfe für Aus- und Weiterbildung, zur intra- und interkommunalen Vernetzung und für die Netzwerkbildung zu ermitteln.

  • METHODE

    Ethnografischer Zugang mit leitfadenbasierten Experten-Interviews.

  • UNTERSUCHUNGSGRUPPE

    27 haupt- und ehrenamtlich Senioren-Technik-Beraterinnen und -Berater 17 Beratungsstellen.

  • AUSWERTUNG

    Mit Methoden der qualitativen Inhaltsanalyse: deduktive und induktive Kategorienbildung.

  • ZIEL I

    Ermittlung der Ist-Situation und der Bedarfe bei Aus- und Weiterbildung sowie intra- und interkommunaler Vernetzung.

  • ZIEL II

    Prüfung, welche Elemente der Senioren-Technik-Beratung Soziale Innovation befördern können.

  • ZIEL III

    Aktivierung der Beraterinnen und Berater für geplantes Netzwerk.

  • TENDENZ I

    Wohnberatung dominiert das Beratungsgeschehen.

  • TENDENZ II

    Akut-Beratung gegenüber präventiver Dimension dominant.

  • TENDENZ III

    Digitaler Kompetenzaufbau als wichtiges Aufgabenfeld.