Jens Spahn diskutierte am 6. Februar 2020 in Wernigerode mit Bürgern über die Zukunft der Pflege in Deutschland.

Der Zukunft der Pflege auf der Spur

Veranstaltung des Bundesgesundheitsministeriums in Wernigerode

„Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Pflegeversicherung uns heute mehr als die Rentenversicherung bewegt“, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu Beginn der Podiumsdiskussion am 6. Februar 2020 in Wernigerode. Es sei ein emotionales Thema – ein Thema, das erfordere, dass beide Seiten einander zuhören. Und so bittet der CDU-Politiker seine Zuhörer um eine faire Unterhaltung. Seinen Worten folgt zustimmendes Nicken in den Reihen. Wernigerode ist die erste von deutschlandweit sechs Städten, die der Gesundheitsminister besucht, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Auch das Innovationsnetzwerk Vernetzte Technikberatung und Techniknutzung (VTTNetz) ist mit Projektmitarbeiterin Julia Bruns vor Ort, um die Veranstaltung zu verfolgen. Der Saal im Fürstlichen Marstall ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Es sind Vertreter*innen von Pflegeunternehmen, Krankenschwestern und –pfleger, Angehörige und Pflegebedürftige selbst gekommen, um sich zu Wort zu melden oder einfach nur zuzuhören, wohin sich die Pflegeversicherung weiter entwickeln könnte. Denn genau dies sucht Jens Spahn gemeinsam mit den geladenen Expert*innen zu erörtern: Maria Loheide (Vorstand Sozialpolitik im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung), Dr. Jochen Pimpertz (Leiter Öffentliche Finanzen, soziale Sicherung und Verteilung am Institut der deutschen Wirtschaft) und der Bremer Gesundheitsökonom Prof. Dr. Heinz Rothgang, der die Entwicklung der Pflegeversicherung seit 25 Jahren begleitet und in dem Feld der Alterssicherung forscht, stellen sich der Debatte.

Dass Pflegekräfte besser bezahlt werden müssen, betont Prof. Dr. Heinz Rothgang. Diese Mehrausgaben dürften jedoch nicht den Pflegebedürftigen oder ihren Angehörigen selbst aufgebürdet werden. „Die Eigenanteile müssen mindestens begrenzt werden“, fordert er.
Zudem müsse deutlich mehr unternommen werden, um den personellen Engpass zu kompensieren. „Selbst, wenn wir heute Pflegekräfte aus dem Ausland werben, wird uns das nur kurzfristig helfen“, warnt er.
Es sei vor allem die Generation der Babyboomer – der geburtenstarken Jahrgänge in den 1950ern und 1960ern – die zwischen 2040 und 2050 pflegebedürftig würde. „Und wenn es 2040 eng wird, dann können wir uns nicht auf das Ausland verlassen“, so Rothgang.

Heinz Rothgang plädiert deshalb für eine stärkere Digitalisierung der Pflege. Eine strategische Nutzung der gesammelten Daten sei sinnvoll, um Pflegemitarbeiter zu entlasten. „Was haben wir für Bedarfe? Was ist geplant? Die Lösung muss sein, dass in der digitalisierten Welt die gesammelten Informationen genutzt werden“, sagt er. „Stattdessen wurde im Zuge des Bürokratieabbaus akzeptiert, dass Papierkram unnötig wird.“

Im anschließenden lockeren Abendprogramm stellt Julia Bruns seinem Mitarbeiter Thomas Kalwitzki und Prof. Rothgang die Grundzüge des Projektes VTTNetz vor.

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